Finger weg von switchh! Warum es sich (meist) nicht lohnt.

Die Hamburger Hochbahn AG bietet einen Tarif zum Carsharing an. Für 8,90 Euro im Monat kann man verschiedene Vergünstigungen erhalten.

Lohnt sich dieses Modell, bzw. welche Ersparnis bringt es? Was sagen die Erfahrungen? Das wird im Folgenden nun analysiert.

Um es vorweg zu nehmen: nicht viel, wenn überhaupt.

Die Erfahrung zeigt, dass dieses Modell kein sehr gutes Angebot ist. Wenn, dann lohnt es sich nur für wenige und unter ganz speziellen Bedingungen für das carsharing in Hamburg.

Doch der Reihe nach. Was bietet switchh?


Screenshot der switchh.de Homepage vom 10.10.2017.



Beworben wird der Tarif mit: "switchh – das 8 Euro 90 Sparpaket, das viel mehr spart als 8 Euro 90.".
Wie unwahr das ist stelle ich im Folgenden dar.

Laut der Homepage www.switchh.de werden für 8,90 Euro pro Monat jeweils 20 Minuten Fahrzeit bei car2go und DriveNow zur Verfügung gestellt.
Dies entspricht für DriveNow und Car2go jeweils einem Minutenpreis von 22 Cent. Damit liegt dieser Preis unter den aktuell 26 Cent pro Minute von car2go und 31 Cent pro Minute von DriveNow (Ausgangspunkt sind zunächst die günstigsten Fahrzeugtypen, die in der Mehrheit der Flotte sind).

Das klingt nach einer Ersparnis, doch sehen wir genau hin.

20 Minuten à 22 Cent pro Minute bedeuten einen Gegenwert von 4,40 Euro. Wir nennen es mal den "switchh-Preis".

Der Smart bei car2go kostet regulär 26 Cent pro Minute. 20 Minuten kosten daher normalerweise 5,20 Euro. Also 0,80 Euro mehr als der switchh-Preis.

Bei DriveNow kosten die meisten Autos 31 Cent pro Minute. 20 Minuten kosten damit 6,20 Euro. Also 1,80 Euro mehr als der switchh-Preis.

Die Pflichtversicherung lasse ich bei der Berechnung aussen vor, da sie in jedem Fall anfällt. Ihre Auswirkungen habe ich hier ausführlich beschrieben.



Die Berechnung der maximal möglichen Ersparnis ergibt sich daher wie folgt:
Preis ohne switchh mit switchh Ersparnis
car2go (20 min) 5,20 Euro 4,40 Euro 0,80 Euro
DriveNow (20 min) 6,20 Euro 4,40 Euro 1,80 Euro
Gesamt (20+20) 11,40 Euro 8,80 Euro 2,60 Euro

Nach den 20 Minuten von switchh gelten die normalen Tarife. Daher kann man mit switchh maximal 2,60 Euro pro Monat sparen.

Wie hieß es doch zu Anfang? Ein Tarif, der "viel mehr spart als 8 Euro 90"?
Dabei sind 2,60 Euro wohl eher viel weniger als 8,90 Euro.

Doch was ist mit den einmaligen Anmeldeboni? Machen die vielleicht den Unterschied? Leider nicht. Denn:

Ein Gedankenspiel:
Um nicht mehr (sondern tatsächlich nur die 8,90 Euro Gebühr von switchh) zu sparen, bräuchte man bei einjähriger Inanspruchnahme von switchh eine einmalige Kostenersparnis von 75,60 Euro.
Wo diese herkommen soll ist der switchh-Seite nicht zu entnehmen.

Von "viel mehr als 8,90 Euro sparen" ist man dann immer noch sehr weit weg.
Hier lügt switchh also dreist. Ob das bewusst ist oder ob man dort nicht rechnen kann, sei dahingestellt.


Die maximale monatliche Ersparnis liegt nur bei 2,60 Euro. Das ist nicht viel, aber immerhin, könnte man meinen.

Doch was, wenn man nicht die vollen 20 Minuten bei beiden Carsharern nutzt? Wie sieht die Rechnung aus, wenn z.B. 10 Minuten bei car2go nicht genutzt werden?

Rechnen wir nach: Die 1,80 Euro von DriveNow werden gespart, da wir davon ausgehen, dass DriveNow für mindestens 20 Minuten genutzt wird.

Doch was ist mit den 0,80 Euro von car2go? Der monatliche Beitrag bleibt von switchh bleibt und man zahlt für 10 Minuten car2go 4,40 Euro. Das entspricht einem Minutenpreis von 44 Cent pro Minute. Der ist nun deutlich höher als die ohne switchh anfallenden 26 Cent pro Minute.
Ohne switchh hätte man für 10 Minuten 2,60 Euro bezahlt. Nun sind es 4,40 Euro und damit 1,80 Euro mehr!

Tatsächlich frisst diese Mehrausgabe sogar vollständig die Ersparnis von der DriveNow-Nutzung auf!

Ergebnis: Das Carsharing ist durch switchh teurer geworden! Gespart wurde hier nichts.

Wenn man also in einem Monat mal weniger als 10 Minuten car2go benutzt, dann hat man keine Ersparnis mehr, sondern zahlt sogar noch drauf (im Vergleich zu den Standardtarifen)!

Für Vielnutzer mag das egal sein, aber diese fahren meist dann mit anderen Paketangeboten der Hersteller günstiger (z.B. DriveNow-Minutenpakete).

Eine echte Ersparnis lässt sich nur erreichen, wenn man bei beiden Anbieter die vollen 20 Minuten pro Monat nutzt.

Daher ist switchh kein attraktives Angebot, sondern eher Augenwischerei. Hier muss nachgebessert werden.

Zum Beispiel indem unverbrauchte Monatskontingente in Folgemonate mitgenommen werden können.

Im aktuellen Zustand kann man nur raten:

Finger weg von switchh.

Lieber flexibel bleiben und bei hoher Nutzung die jeweiligen Anbieterpakete buchen.



Nachtrag (03. Januar 2018)

Selbstverständlich habe ich auch switchh meine Erkenntnisse zur Verfügung gestellt. Leider wurde es mir vom Leiter der Unternehmenskommunikation/Pressesprecher der Hamburger Hochbahn AG nicht gestattet die Antwort auf meine Anfrage wörtlich zu veröffentlichen. Das hätte allerdings auch keinerlei weitere Information gebracht, da die Antwort von switchh nicht auf meine Darstellung eingeht und stattdessen eine generische E-Mail darstellt.

Meine zweite Anfrage an switchh wurde dann immerhin vom Pressesprecher der Hochbahn (Ende Dezember 2017) beantwortet. Leider sieht auch er sich nicht in der Lage die irreführenden Angaben auf der switchh-Seite aufzuklären.

Da switchhh also nun explizit und auch auf höherer Ebene von diesen dreisten und irreführenden Werbung weiß, kann ich leider nur schließen, dass die Hochbahn dieses dubiose Werben um Kunden für switchh sehr bewusst durchführt.

Das enttäuscht mich sehr und damit schwindet auch die Hoffnung, dass ich mich getäuscht oder einfach verrechnet habe.

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